Neuer Nahverkehrsplan: Grüne fordern Nachbesserungen für abgehängte Ortsteile

Seit Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, gilt im Kreis Unna ein vollständig neuer Nahverkehrsplan der VKU. Er setzt auf sieben neue X-Bus-Linien für schnelle Verbindungen zwischen den zentralen Orten, führt zugleich aber zu zahlreichen wegfallenden Haltestellen, ausgedünnten Takten und Protest in vielen Kommunen. „Schnelle Achsen zwischen den Städten sind richtig und überfällig. Sie sollten jedoch nicht dazu führen, dass die Bürgerinnen und Bürger im Kreis dadurch teilweise erheblich höhere Fahrtzeiten als früher in Kauf nehmen müssen, um an ihr Ziel zu gelangen. Wer sie abhängt, gewinnt sie nicht für den ÖPNV, sondern verliert sie ans Auto“, sagt Michael Rotthowe, Co-Fraktionsvorsitzender der Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Quer durch den Kreis treffen die Einschnitte vor allem diejenigen, die keine Alternative zum Bus haben. In Unna verlieren die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims St. Bonifatius ihre kurze Anbindung an die Innenstadt, da die 100 Meter entfernte Haltestelle Mühlenstraße wegfällt und sie künftig einen weiteren Fußweg zur Haltestelle am Christlichen Klinikum bzw. einen Weg von einem Kilometer in die Innenstadt auf sich nehmen müssen. Die Schnellbuslinie S10, die Werne stündlich mit Lünen verbindet, wird ab dem 25. Mai durch die neue Expresslinie X1 ersetzt, die zwar zwei Minuten schneller fährt, dabei aber zwölf Haltestellen entlang der B54 ersatzlos streicht. In Bönen Nordbögge wurde mit der Linie 195 eine wichtige Pendlerverbindung ins Industriegebiet gestrichen. Auch die Fahrt von Unna nach Kamen zeigt, dass die versprochenen Ersatzangebote keine sind: Das Umsteigen auf die X-Bus-Linien kostet mehr Zeit, und Abfahrten fünf Minuten nach dem Takt nützen niemandem. Abends ab 20.30 Uhr sieht der Fahrplan zudem wie ein Halbstundentakt aus, ist aber keiner, denn jede zweite Fahrt führt am Ziel vorbei, sodass Fahrgäste nach einer Viertelstunde an einer ungeeigneten, im Dunkeln angstbesetzten Haltestelle wieder zurückfahren müssen und doppelt so lange unterwegs sind. Dass solche Schwächen auftreten, überrascht die Fraktion nicht: Schon im November 2024 hatte sie im Kreistag eine weitere Beteiligungsrunde beantragt und dazu aufgerufen, die Stellungnahmen der Kommunen ernst zu nehmen. „Auf dem Papier hat so manche Linie einen Ersatz. Im Alltag heißt das jedoch längere Wege, lange Wartezeiten und Umwege. Genau davor haben wir früh gewarnt“, sagt Co-Fraktionsvorsitzende Anke Schneider.

Die Kreistagsfraktion fordert deshalb zügige und verbindliche Korrekturen am neuen Netz. Zuerst müssen die Ortsteile und Einrichtungen wieder angebunden werden, die von der Grundversorgung abgeschnitten wurden. In den Blick sollten dabei vor allem Seniorinnen und Senioren, Schülerinnen und Schüler sowie Pendlerinnen und Pendler ohne eigenes Auto genommen werden. Genauso wichtig sind ehrliche Fahrpläne und verlässliche Anschlüsse, die zum Bahn- und Busnetz passen, damit knapp verfehlte Umstiege und abendliche Umwegfahrten der Vergangenheit angehören. Auch die Sicherheit zählt, denn gerade in der dunklen Jahreszeit sollten Umstiegshaltestellen gut ausgeleuchtet und für längere Wartezeiten überhaupt geeignet sein. Vor allem aber braucht es eine verbindliche Evaluation mit festem Zeitplan und nachvollziehbaren Kriterien, statt einer unverbindlichen Nachsteuerung allein dort, wo es der VKU betrieblich passt. Im Ausschuss für Mobilität, Bauen, Kreis- und Regionalentwicklung wurde dazu in der vergangenen Sitzung vereinbart, dass die VKU in der kommenden Sitzung über die Rückmeldungen zum Nahverkehrsplan berichtet. Diese Gelegenheit sollte genutzt werden, um aus den vielen Rückmeldungen konkrete Verbesserungen zu machen. Den Hinweis, die Kommunen könnten fehlende Anschlüsse einfach selbst bestellen und bezahlen, hält die Fraktion angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden für keine ernsthafte Lösung, sondern lediglich für eine Verlagerung der Verantwortung nach unten. Schon das gesamte Verfahren über hat sich die Fraktion gegen diesen Plan gewehrt, doch konstruktive Vorschläge, auch aus den Kommunen, wurden immer wieder abgetan. Über all das dürfen am Ende nicht nur Verwaltung und Verkehrsbetrieb entscheiden. Die Fraktion erwartet daher, dass die Bürgerinnen und Bürger ernsthaft beteiligt werden, wie sie es bereits im Aufstellungsverfahren eingefordert hat.