Streit zwischen EDEKA und Landwirten wegen „Aktion Tierwohl“

Der nun öffentlich ausgetragene Streit zwischen EDEKA und den landwirtschaftlichen Interessenvertretern zeigt, dass die geplante Partnerschaft wohl eher der Gewinnoptimierung als dem Tierschutz dienen soll. Als beteiligter Partner zweifelt EDEKA öffentlich daran, dass es den Tieren wirklich besser geht und fordert einen unabhängigen Nachweis von den Landwirten. Entweder EDEKA hat als einziges beteiligtes Unternehmen Skrupel, dass auch der Kunde verstehen könnten, worum es wirklich geht, oder versucht einen Skrupel als Alleinstellungsmerkmal gegen die Mitbewerber zu vermarkten.

Wollten uns Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Einzelhandel etwa konventionell hergestelltes Fleisch bei der „Aktion Tierwohl“ als etwas besseres verkaufen, als es wirklich ist? Sollte das eine Abkehr von der Massentierhaltung suggerieren?

Die öffentlich zugänglichen Informationen dazu konzentrieren sich im wesentlichen auf das Finanzierungsmodell und die Partner. Zu den konkreten geplanten Verbesserungen beim Tierschutz finden sich dagegen nur wenig Informationen. Ein Verzicht auf das Kupieren von Schweineschwänzen und ein paar Quadratmeter mehr Platz pro Tier sind noch kein Meilenstein für den Tierschutz. Mit der „Aktion Tierwohl“ soll vielmehr von der Realität abgelenkt und den Konsumenten ein gutes Gewissen verkauft werden. Das riesige Interesse der Landwirte an der Aktion zeigt doch eines: bei marginalen Veränderungen in der Tierproduktion, dafür aber einer riesigen Werbekampagne, erhoffen sich alle mehr Profit.

Die Realität in der konventionellen Tierproduktion ist auch weiterhin eine andere: In Tierfabriken werden sie in geschlossenen Hallen auf engstem Raum, mit Hochleistungsfutter und Medikamenteneinsatz in möglichst kurzer Zeit zur Schlachtreife gebracht – Massenproduktion zu Minimalpreisen. Das soll aber möglichst keiner wissen, damit der Fleischabsatz nicht einbricht. Denn die Produzenten und Vermarkter wissen nicht, wie lange diese Art der Tierhaltung gesellschaftlich noch toleriert wird.

Dabei gibt es heute schon Alternativen für den Verbraucher. Man kann auf Fleisch zurückzugreifen, dass wirklich unter besseren Haltungsbedingungen für die Tiere produziert wird: neben Bio-Fleisch gibt es verschiede Label wie z.B. Neuland, deren Richtlinien jedem zugänglich sind. Auch wenn vielleicht noch nicht alles perfekt ist, fängt hier nachhaltige Tierproduktion an.

Klaus-Bernhard Kühnapfel
(Umweltpolitischer Sprecher der Kreistagsfraktion)

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